Endlich Blitzeis – ein wahrer Klassiker
![]()
Schon beim Aufstehen heute morgen wurde ich gewarnt, auch nur einen Fuß aus dem Bett zu setzen! Viel zu groß sei die Gefahr eines Sturzes, Autounfalls oder sonstigem. Spiegelglatt seien die Straßen, die Bürgersteige und alles andere sowieso. Reporterinnen im Radio berichteten von chaotischen Zuständen, Menschen die mit schweren Verletzungen hilflos in Nebenstraßen festgefroren sind und wimmernden Kindern die vor den zugeeisten Autos ihrer Eltern standen. Nur am Flughafen war seltsamerweise nichts auffälliges zu berichten. Landebahnheizung? Enteisungs-Anlagen? Magie?
Riesige Vorfreude auf die anstehende Fahrt zum Kindergarten machte sich breit, allseits die technischen Weisheiten im Hinterkopf: „bei Glatteis bringt dir Allrad und Winterreifen auch nix mehr“ - Das wollte ich schon immer mal wissen und startete meinen Motor.
Nach mehreren Kilometern Autofahrt mit Kind im Rücksitz stellte ich langsam enttäuscht fest, das aus der Abenteuer Eisfahrt nix geworden ist. Wie vom ADAC empfohlen haben wir uns auf dem Weg zum Kindergarten mit gutem Schuhwerk, warmem Tee, Decken und wettergerechter Kleidung eingedeckt – wir waren auf alles vorbereitet – nur nicht auf die Realität. Die bestand aus +6 Grad und regennasser Fahrbahn. Kein Grund zur Beunruhigung, zumindest für Autobesitzer mit Menschenverstand. Der Citroen C1 der vor uns her „fuhr“ war da offensichtlich anderer Meinung - wohl mehr die Fahrerin des Fahrzeugs.
Beim Anblick dieses Autos schossen mir sofort die Diskussionen um Verschrottungsprämie und Neuwagenkauf durch den Kopf. Ich glaube jeder Dritte hat seinen guten alten Corsa verschrottet, um sich einen neuen C1 zu kaufen und vom Händler noch einen Liter Frostschutz dazu geschenkt zu bekommen.
Die Fahrerin war ebenfalls gut vorbereitet: Schal, Mütze Handschuhe; die Heizung auf 35 Grad gestellt, Das Radio auf Vol 25 damit man nicht die neueste Glatteismeldung verpasst. Das einzige was die Gute verpasst hat war aus der Frontscheibe zu schauen und ggfls. mal durch den Rückspiegel den Stau betrachten der zeitgleich verursacht wurde.
Den letzten Extremfall dieser Kategorie hatte ich vor einigen Wochen neben mir an der Ampel stehen – mit komplett offenem Tankdeckel…Selbst auf penetranteste Handzeichen hat die junge Frau am Steuer nicht reagiert. Wie auch? Vor Schal und Mütze konnte sie ihren Hals gar nicht mehr bewegen um zu mir rüberzuschauen. Ich schätz bei der nächsten scharfen Linkskurze ist eine wahre Fontäne an Superkraftstoff aus dem Auto geschossen…lustiger Gedanke.
Als die Ersten hinter dem Kleinwagen nervös wurden, weil sie befürchteten bei dieser Geschwindigkeit festzufrieren, sah die Fahrerin offensichtlich das ihr Fahrzeug über einen Tacho verfügt und beschleunigte prompt auf über 70 kmh. Diesen Wert behielt sie dann auch bei, vorbei am nächsten Ortsschild und mehreren Bushaltestellen.
Ich bin dann vorsichtshalber zum Kindergarten abgebogen. Ich hatte wirklich kein Interesse noch weiter Zeuge dieser menschlichen Tragödie zu werden.
Dort angekommen legte ich die Schuh-Schneeketten an und rechnete schon mit Oberschenkelhalsbruch bevor ich einen Fuß auf den Boden gesetzt hatte. Wieder nix – alles trocken – alles mit Haftung. Doch im Kindergarten sollte ich belohnt werden die Reise angetreten zu haben. Zeitgleich mit unserer Ankunft dort wurde ich Zeuge eines wahren Klassikers.
Das gerade von seiner Mutter abgelieferte Kind erzählte fröhlich der Pädagogin, das heute Abend Papa seine Freundin besucht. Entsetzte Gesichter und hilfloses
Gelächter wurden von der Mutter besänftigt, die offensichtlich zur Reaktion gezwungen war, um die Familienverhältnisse gerade zu biegen. Nein, so sei das nicht – Alles sei in Ordnung. Gut, dachte ich. Lustig wars, jetzt Kind abliefern und schnell auf die Arbeit. Der Straßenverkehr könnte schließlich nochr mehr Abenteuer bereit halten heute morgen. Aber, Mutti war noch nicht fertig mit ihrer Erklärung. „Papi besucht eine alte Freundin, die eigentlich in China wohnt, jetzt aber zu besuch ist. Da hat der Papa heute seinen freien Abend.“ – Wahnsinn.
IN CHINA! Also wenn ich mal ne Ausrede zuhause bräuchte, um weg zu kommen, dann ist die alte Bekanntschaft sicherlich schonmal keine Frau – das gibt ja schon nur beim Denken unnötigen Ärger mit der Angetrauten. Und wenn ich schon so dreist bin und behaupte mich mit einer alten Freundin zu treffen, DANN SAGE ICH DOCH NICHT DAS SIE EIGENTLICH IN CHINA WOHNT. Verrückt für wie blöd manche Ihre Frauen halten und noch verrückter wie blöd manche wirklich sind. Jetzt bin ich mir nicht mehr sicher ob der Kleinwagen neben mir auf dem Parkplatz ein C1 war!?
Toll, so könnte jeder Donnerstag beginnen.