Der verschwundene "10er"

man stelle sich folgendes vor:

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ein überregionaler Radiosender hat eine Spielaktion die Woche über laufen, in der die Endziffern von 10 Euro Scheinen als Losnummer zum 100.000 Euro Gewinn dienen. Soweit sogut, keine neue Sache aber doch spannend, da ja potentiell jeder mit einem Blick in die Hosentasche reich werden kann. Um seine Chancen zu erhöhen beginnt man vorsorglich 10er zu horten, Kassiererinnen haben ihre Kassen ganz genau im Blick und auch sonst besteht jeder darauf Wechselgeld nur noch in 10 Euro Scheinen zu akzeptieren.
Alles in allem also eine ziemlich nervige Aktion, wenn man von Natur aus schon nicht an dämlichen Radiospielen teilnehmen möchte.

Jetzt passiert folgendes: Friedegard G. sammelt zu Hause 10 Euro Scheine, um den Süper-Gewinn zu erzwingen. Sie notiert notorisch alle Seriennummern auf einem karierten Papierblock und träumt von der Luxusreise in den Harz oder vom Sommerurlaub bei Tante Mechthild auf Usedom. Am Morgen des ersten Februar schaltet sie das Radio noch vor der Kaffeemaschine ein, um zu erfahren welche Seriennummer heute die Erlösung aus dem tristen Alltag bringt und die Überaschung ist gelungen als sie feststellt das sich die gesuchten Ziffern tatsächlich auf ihrem Blatt Papier befinden. Noch kann sie Ihre Freude nicht teilen, da ihr Mann Horst wie jeden Dienstag mit dem Wagen auf dem Weg zum lokalen Baumarkt ist, um ein Päckchen kleine Schrauben zu kaufen. Damit sei der Nähmaschinen-Unterschrank zu repariert, der seit 15 Jahren im Hobbykeller auf den Tag des jüngsten Gerichts wartet.
Friedegard beginnt die gesammelten Scheine zu durchsuchen, um ihrem Ehegatten eine saftige Überraschung zu bescheren, doch kann den gewünschten Schein nicht finden. In diesem Augenblick kommt Horst auch schon die Tür rein und raschelt mit der Schraubenpackung, sagt „ich bin zurück“ und legt 5,35 € Restgeld auf den Küchentisch.
„Hier, ich hab mir nen 10er geliehen, wollte nicht noch vorher auf die Bank wegen den Schrauben“, sagt Horst noch bevor der erste Teller flog. Was da jetzt los ist kann sich jeder verheiratete und nicht verheiratete vorstellen.
So. die 100.000 € sind also futsch. Nur was war wirklich passiert? Nachdem diese grandiose Geschichte dem Radio präsentiert wurde, machte sich der Sender den Spaß dem verlorenen Barmittel hinterher zu spionieren und rief im Baumarkt auf, alle Kassen zu durchsuchen – ergebnislos. Das beeindruckt Friedegard nicht wirklich – Horst argumentiert mit Wechselscheinen an der Kasse, „der kann jetzt sonst wo sein“, sagt er.

Eine knappe Stunde später vermeldet ein Anrufer den Fund des Scheines und beansprucht den Geldgewinn mit sofortiger Wirkung. Der Anrufer, Szlatko, Betreiber des örtlichen Kiosk direkt hinter dem Baumarktparkplatz, hat den Zehner soeben in seiner als Kasse dienender Tabakdose entdeckt und sofort angerufen, so seine Worte.
Auf die Frage des Radiomoderators woher der Schein stamme antwortete der Mann während der Liveübertragung im Radio mit dem folgenden Worten: „Naja, diesen Horst kommt jede Dienstag und nimmt zwei Export und ein Zinn 40. Das macht 4,65 Öro und Horst hat heute mit 10Euro Schein bezahlt wie sonst auch immer.“

Jetzt braucht Horst vorallem erstmal eines: eine gute Erklärung wo er die Schrauben her hat!